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Das Schwerpunktprogramm 1542

Hauptziel des Schwerpunktprogramms 1542 "Leicht Bauen mit Beton - Grundlagen für das Bauen der Zukunft mit bionischen und mathematischen Entwurfsprinzipien" ist das Schaffen der Grundlagen für eine völlig neue Art zu entwerfen, zu konstruieren und zu bauen. Um dieses Ziel zu verwirklichen, müssen verschiedenste Wissensgebiete fachübergreifend zusammenarbeiten.

Die Intention des SPP 1542 kann anhand zweier Zitate des bedeutende Schalenbauers Heinz Isler über den Universalbaustoff Beton verdeutlicht werden:
 
„Das wohl Faszinierendste aber ist: Er kann jede Form annehmen.“

„Es ist mir heute noch ein völliges Rätsel, warum 99,9 % des Betons nur in Form von Balken, von Platten oder von anderen kubischen Gestalten verwendet werden.“

Der Baustoff Beton hat wie kein anderer in den vergangenen 100 Jahren unser gebautes Umfeld geprägt, denn fast überall auf der Welt kann Beton als einziges Baumaterial preisgünstig und in großer Menge hergestellt werden. Oftmals wird er auch als „Jahrhundertbaustoff“ bezeichnet. Gebäude, Verkehrswege und Versorgungssysteme sind ohne bewehrten oder unbewehrten Beton nicht mehr denkbar. Bevor Beton erhärtet, ist er flüssig bis plastisch und kann nahezu jede Form einnehmen. Durch Kombination des druckfesten Betons mit zugfester Bewehrung entsteht ein leistungsfähiger Verbundbaustoff, der nahezu jeder äußeren Einwirkung widerstehen kann.

Allerdings ist die gängige Erscheinungsform von Stahlbeton eben und eckig, denn die meisten Bauteile werden parallelwandig oder parallelgurtig hergestellt. Dieses Bild hat den Betonbau seit langem geprägt. Abwertende Ausdrücke wie „Betonkopf“ oder „Betonwüste“ aus dem üblichen Sprachgebrauch stehen stellvertretend für das negative Image dieses wichtigsten Baustoffs der jüngeren Vergangenheit und der Gegenwart. Dass ästhetisch gebaut werden kann, beweisen herausragende Schalenbauten, elegant gevoutete Brücken oder organische Bauten moderner Architekten und Ingenieure wie Candela, Calatrava, Gehry oder Hadid ─ Einzelbeispiele, die gern gezeigt werden, deren Berechnung und Bau aber mit zum Teil enormem Aufwand verbunden ist.

Im SPP 1542 wird deshalb ein grundlegend neuer Ansatz verfolgt, um den Leichtbau mit Beton in allen Bauwerken anwenden zu können: Alle maßgebenden Konstruktionselemente wie Decken, Wände und Stützen erhalten ihre Oberflächengeometrie entsprechend dem vorhandenen und durchaus auch beeinflussbaren Kräftefluss im Bauteil selbst nach dem Prinzip

„form follows force“.

Hauptziel ist das Schaffen der Grundlagen für eine völlig neue Art zu entwerfen, zu konstruieren und zu bauen. Um dieses Ziel zu verwirklichen, müssen verschiedenste Wissensgebiete fachübergreifend zusammenarbeiten.

Quelle

Isler, H.: Moderner Schalenbau. In: Arcus 18: Zum Werk von Felix Candela – Die Kunst der leichten Schalen. Köln : Verlagsgesellschaft Rudolph Müller, 1992, S. 50 ff.